KLAUS DIBBELT

DAS EIGENSTÄNDIGE ERARBEITEN VON SOLOLITERATUR FÜR DIE GITARRE
UNTER BERÜCKSICHTIGUNG LERNPSYCHOLOGISCHER ERKENNTNISSE
- versuch einer systematischen annäherung -

(1983, als web-dokument überarbeitet 2006)

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vorwort zur neuveröffentlichung

inhaltsverzeichnis

kapitel 1

kapitel 2

kapitel 3

kapitel 4

kapitel 5

kapitel 6

kapitel 7

kapitel 8

abkürzungen und zeichen

anmerkungen

literatur

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kontakt

homepage klaus dibbelt



 

 VORWORT
zur neuvoröffentlichung als web-dokument 2006

diese abhandlung ist meine diplomarbeit, geschrieben vor 23 jahren. sie fiel mir kürzlich wieder in die hände. nach so langer zeit zum ersten mal einen eigenen text wiederzulesen, ist merkwürdig. bin ich der, der das geschrieben hat? philosophische fragen - wie z.b. nach der existenz eines kontinuierlichen ichs - drängen sich auf.

der stärkste eindruck (leider ein negativer): diese abhandlung ist - abgesehen von einer handvoll sarkastischer spitzen - völlig humorlos. heute ist das schliesslich eins meiner wichtigsten kriterien, wenn es darum geht, ob ich ein buch (egal ob sachbuch oder belletristik) mag oder nicht: hat der autor humor?

dann erinnerte ich mich bei der lektüre an den häufigsten kritikpunkt, den ich damals zu hören gekriegt habe (nicht dass ich glaube, irgendwer hätte den ganzen text wirklich durchgelesen - wahrscheinlich haben das noch nicht einmal die prüfer getan):
"und was ist mit dem mysterium, dem unaussprechlichen, dem nicht analysierbaren, dem nicht quantifizierbaren oder systematisierbaren in der musik - dem wunderbaren, dem eigentlichen?".

heute verstehe ich diese kritik besser als damals, ja, ich selbst hatte solche gedanken beim lesen: dieser text staunt nicht, an keiner stelle.

ich kann das natürlich, heute wie damals, rechtfertigen (und eigentlich hatte ich die einwände ja schon in kapitel 1 antizipiert und darauf geantwortet):

zunächst mal war das eine diplomarbeit, und der sinn einer solchen ist unter beweis zu stellen, dass du wissenschaftlich arbeiten kannst. es geht vor allem darum, formale kriterien zu erfüllen. humor ist unwissenschaftlich, und staunen auch.
(schon allein vom titel in seiner pseudoakademischen formulierung muss einem ja eigentlich schlecht werden.)

aber, wichtiger: der versuch, alles das zu analysieren, systematisieren, quantifizieren, auszusprechen, was analysierbar, systematisierbar, quantifizierbar und verbalisierbar ist, nimmt nichts weg von dem, was mit diesen methoden nicht greifbar ist. mysterien bleiben mysterien, wunderbares bleibt wunderbar. nach abzug des kognitiv fassbaren in der musik bleibt genug zu staunen. und bis heute verstehe ich nicht, warum im erleben mancher menschen die erklärbarkeit eines objekts oder sachverhalts seine bedeutung schrumpfen lässt. wenn es ein mysterium gibt, können wir es nicht entmystifizieren. entmystifizieren können wir nur das, was vorher mystifiziert worden ist.

ich würde ein solches unterfangen heute anders angehen, soviel ist sicher. dennoch - und das ist der positive eindruck - sorgt dieser absolut trockene, sachliche ansatz für eine klarheit und schärfe, die mich heute als leser überzeugt. ok, der autor hat nicht viel aufwand darauf verwendet, diesen text zu einer leicht verdaulichen lektüre zu machen, der inhalt aber belohnt den interessierten für die mühe des lesens. so geht es mir jedenfalls heute, und ich hoffe, dass das nicht nur daran liegt, dass der autor und ich ja doch irgendwie geistes- und seelenverwandte sind.


in der zwischenzeit ist es einfacher geworden, nützliches und unnützes allgemein zugänglich zu machen, und das kostenlos: internet. als ich die idee hatte, die arbeit hier zu veröffentlichen, spielte ich zunächst mit dem gedanken, sie völlig umzuschreiben, verwarf ihn aber bald. der text schien mir dann doch zu stimmig in der kohärenz von form und inhalt - auch wenn ich mich heute damit nicht mehr völlig identifizieren kann und ganz andere schwerpunkte setzen würde.

in andern worten: ich würde heute zwar ein ganz anderes buch schreiben, finde den damaligen ansatz aber nach wie vor gültig - als beschreibung eines element der annäherung des gitarristen an das werk.

zur sache.

mir persönlich fällt es schwer, lange texte am bildschirm zu lesen. trotz all der verlinkungen und anderen vorteile verliere ich leicht den überblick. aus welchem grund auch immer - die gedanken fliessen anders, als wenn ich einen gedruckten text lese. für die, denen es ähnlich geht: die abhandlung liegt auch in einer druckversion als pdf vor. mail an info@klausdibbelt.de, und ich schicke sie dir.

kritik, einwände, verbesserungsvorschläge, lobeshymnen, weiterführende gedanken: jedes feedback ist willkommen.
auch hinweise auf tipp- und sonstige fehler, kaputte links etc. helfen mir.

wenn du aus diesem text zitierst, gib bitte die quelle an. über eine zusätzliche kurze nachricht würde ich mich freuen.

die links zu fussnoten "[...]" sind fett geschrieben, wenn du dort echte anmerkungen findest (erklärungen, abschweifungen, zusätze...).
die normal geschriebenen enthalten in der regel nur quellenhinweise.
links öffnen sich nicht in einem neuen fenster; benutze die navigation in deinem browser, um zum text zurückzukehren. alternativ mag es eine gute idee sein, die anmerkungen in einem gesonderten fenster oder tab verfügbar zu halten.

ich widme diese digitalisierte ausgabe meiner mutter rosemarie dibbelt, die nun schon einige jahre tot ist. ohne sie hätte ich damals diese arbeit nicht in der vorgegebenen zeit fertiggestellt. das handwerkzeug waren damals noch die manuelle schreibmaschine, tipp-ex und uhu. sie hat die kopiervorlagen für mich getippt (und das oft mehrmals, weil ich doch immer wieder mit änderungen ankam). als erfahrene arzt-sekretärin konnte sie meine sauklaue selbst dann noch entziffern, wenn ich selbst nicht mehr wusste, was ich da eigentlich geschrieben hatte.
aber was noch wichtiger war: sie war die perfekte lektorin. sie fragte nach, wenn etwas unverständlich war, sie wies mich auf widersprüche, nicht zuende geführte gedankengänge, redundanzen, sprachliche mängel hin. sie rief mich zur raison, wenn ich vor lauter theoretisieren und abstrahieren mal wieder den potentiellen leser völlig aus den augen verloren hatte. sie machte sich mein interesse an der sache zueigen, und nahm persönlich anteil. all das war eine unschätzbare hilfe.

und los! (->kapitel 1)